Mischa Kuball im ZKM | Museum für Neue Kunst, Karlsruhe (2011)

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| Veröffentlicht in deutscher Sprache am 1. Februar 2011


mischa kuball kunst
Mischa Kuball: „platon’s mirror“. Installation-Shot ZKM Karlsruhe, 2011, © ZKM | Museum für Neue Kunst Karlsruhe und ONUK.

Mischa Kuball. platon’s mirror

Eine Ausstellung ZKM | Museum für Neue Kunst
12.02.-03.04.2011
Eröffnung 11.02.2011, 19 Uhr

Pressemitteilung Text - ZKM

Der Düsseldorfer Medienkünstler Mischa Kuball ist einer der wenigen Künstler, der das Licht schon immer auch in seiner (gesellschafts-)politischen Dimension verstanden und es entsprechend in zahlreichen Werken und Installationen eingesetzt hat. In seinem neuen Ausstellungs-Projekt platon’s mirror kommen darüber hinaus zwei weitere Aspekte hinzu: eine wahrnehmungsästhetische Komponente sowie die Möglichkeiten einer neuartigen Bildgenerierung durch Computer-Tomografie und den sich daraus ableitenden hochaktuellen Fragestellungen in und für die Kunst.

Die Idee zu platon’s mirror basiert auf einem der einflussreichsten Texte der europäischen Literatur: Platons Höhlengleichnis. In ihm wird die Unterscheidung zwischen zwei Formen der Wirklichkeit formuliert: der sichtbaren Realität und der (wahren) Realität der Ideen. Einen Künstler wie Kuball, der sich wie kein zweiter in seiner Kunst mit dem Phänomen des Lichts auseinandersetzt, musste das Höhlengleichnis zur künstlerischen Auseinandersetzung herausfordern. In zugleich einfachen und höchst effektiven Anordnungen mit Projektoren und reflektierenden Silberfolien, Fotografien und Videos schafft Kuball einerseits Räume, die als Gleichnisse der Platon’schen Höhlensituation zu verstehen sind, andererseits übersetzt er in seinen Fotografien und Videos das komplexe Verhältnis von Lichtquelle, Spiegelung, Schattenriss und Abbild in scheinbar endlos zu erweiternde Mediationsstufen, auf denen sich Wirklichkeit als die Wirklichkeit ihrer Reflexion immer erneut konstituiert. Die Beschäftigung Kuballs mit dem Thema des Höhlengleichnisses erfolgt in einer Zeit, in der das Problem „der Realität“ kaum mehr unter philosophischen, sondern fast ausschließlich unter soziologischen und politischen Gesichtspunkten gestellt wird. Die Rede von der „Performativität“ alles Realen macht scheinbar die Suche nach dem, was wirklich sei an der Wirklichkeit, überflüssig. Mit Mischa Kuballs Rekurs auf Platon ist die Frage verbunden, ob sich tatsächlich so einfach alle Wirklichkeiten als sozial konstruiert abtun lassen, und ob die Vernunft noch als Instrument zur Hand ist, um zwischen Scheinhaftigkeit und Wirklichkeit zu unterscheiden. Insofern lässt sich sein Projekt platon’s mirror nicht nur als Problematisierung der Aktualität Platons verstehen, sondern auch als Wiederbefragung der klassischen Verknüpfung von Lichtmetaphorik und der Idee des aufklärerischen Denkens.
In Ergänzung zum gleichnamigen Projekt werden innerhalb der Ausstellung rund 40 schwarz-weiße CT-Fotografien zu sehen sein. Sie zeigen u.a. Aufnahmen von Aufnahmegeräten, also computertomografische Ablichtungen von Foto- und Videokameras und werfen durch die Redundanz des medialen Verfahrens ebenfalls Fragestellungen nach der Wirklichkeit auf.

Die im ZKM stattfindende Ausstellung Mischa Kuball. platon’s mirror ist der Auftakt zu einer internationalen Tournee mit insgesamt 15 Stationen (in Kooperation mit dem Goethe-Institut und dem artspace, Sydney), so u.a. in Berlin, Sydney, Auckland. Im ZKM werden rund 50 Fotografien zu sehen sein, sowie zwei Video-Installationen. Parallel zur Ausstellungsreihe erschient im Sommer 2011 ein von Christoph Keller gestalteter Reader-Katalog zum Projekt von Mischa Kuball (Hg. von Andreas F. Beitin, Blair French und Goethe-Institut) mit Texten von Hans Belting, Bazon Brock, Ursula Frohne, Friedhelm Mennekes, Peter Sloterdijk, Wolfgang Ullrich u.a.